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Chemotherapie erträglicher machen

Medizin

Autor: D. Budler

Unser Autor schreibt als Betroffener: Er ist an einem Immundefektsyndrom erkrankt (CVID), zusätzlich wurde 2016 die Krebsform Morbus Hodgkin diagnostiziert. Der Krebs war der Anlass, die Ausnahmegenehmigung für medizinisches Cannabis zu beantragen. Cannabis half ihm, die Nebenwirkungen der Therapie gut im Griff zu haben. „Ich habe sogar zugenommen währenddessen“, beschreibt der 30-Jährige. Die Chemotherapie ist abgeschlossen. Cannabis nutzt er inzwischen anstelle von Opiaten gegen die Schmerzen seiner Grunderkrankung.

Seit März haben Ärzte die Möglichkeit, Cannabis auf einem Betäubungsmittelrezept auszustellen. Diese Nachricht gibt unzähligen Menschen wieder Hoffnung und Kraft. Unter anderem auch Menschen, die aufgrund von Krebserkrankungen eine Chemotherapie durchleiden müssen. Eine Chemotherapie wird je nach Alter Geschlecht und Art der Krebserkrankung individuell zusammengestellt. Jedoch wird meistens versucht, mit diversen Zytostatika das Wachstum der Krebszellen zu stoppen und diese zu zerstören. Zytostatika sind oftmals toxisch chemische Präparate, die das Zellwachstum im Körper hemmen oder zerstören. Dieser massive Eingriff auf das Zellwachstum beeinflusst vor allem sehr schnell wachsende Zellen wie Krebszellen. Leider greifen diese Zytostatika den ganzen Körper an und nicht nur den Krebs. Daher fallen den meisten Krebskranken während einer Chemotherapie (Behandlung mit diversen Zytostatika) die Haare aus. Zudem greifen Zytostatika überwiegend die Schleimhäute das Knochenmark und das Nervensystem an. Bei solch einer aggressiven Therapie können zum Teil sehr extreme Nebenwirkungen auftreten. Diese äußern sich in Form von Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Schmerzen im ganzen Körper. Allerdings variieren all diese Nebenwirkungen je nach Chemotherapie. Häufig treten sie gleichzeitig auf.

Wo wirkt Cannabis?

All diese unerwünschten Nebenwirkungen kann man erfolgreich mit Cannabis behandeln. Doch wie kann Cannabis helfen?
Cannabis enthält diverse Wirkstoffe, dazu zählen ungefähr 40 Cannabinoide und weitere Stoffe wie Terpene und ähnliche. Die beiden bekanntesten Cannabinoide sind THC und CBD. Manche dieser Wirkstoffe aktivieren spezielle Rezeptoren in unserem Körper, den CB1- und den CB2-Rezeptor. Zusammen bilden diese Rezeptoren das Endocannabinoidsystem. Der CB1-Rezeptor ist unter anderem im Gehirn, in Teilen des Nervensystems, im Magen-Darm-Trakt und anderen Organen zu finden. Der CB2-Rezeptor ist überwiegend im Immunsystem anzutreffen. Es ist davon auszugehen, dass überall, wo sich CB-Rezeptoren befinden, diverse Cannabinoide einen gewissen Effekt bewirken können. Jedoch steht die Forschung hier noch am Anfang.

Übelkeit in Schach halten, Appetit ankurbeln

Während einer Chemotherapie gehören Übelkeit und Erbrechen mit zu den häufigsten und heftigsten Nebenwirkungen. Die gereizte Magenschleimhaut und ein Ungleichgewicht verschiedener Botenstoffe bringen den Körper dazu, Übelkeit zu entwickeln, was bis zum Erbrechen führen kann. Durch den Konsum von Cannabis kann man diese Übelkeit gezielt lindern.
Das THC im Cannabis aktiviert den CB1-Rezeptor und belegt diesen. Da CB1 auch in der Magen-Darm-Gegend anzutreffen ist, liegt es nahe, dass das diese Aktivierung die Übelkeit lindern kann. Zudem geht man davon aus, dass auch CBD einen positiven Effekt bei dieser Problematik hat.
Durch die Übelkeit tritt meistens auch Appetitlosigkeit auf. Vor allem diese macht eine Chemotherapie und den Krebs so bedrohlich. Denn Kraft und Energie sind existenziell, um solch eine Therapie zu überstehen. Auch hierbei kann THC hilfreich sein. THC regt die Produktion des Enzyms mit dem Namen AMP-aktivierte Proteinkinase im Gehirn an. AMPaP ist dazu da, den Körper vor Energiemangel zu schützen. Steigt die Produktion von AMPaP, löst diese ein Hungergefühl aus, das einen dazu bewegt, regelmäßig zu essen.

… und Schmerzen lindern

Da eine Chemotherapie auch meist die Zellneubildung des Knochenmarks beeinflusst, sind Schmerzen keine Seltenheit. Diese können auch durch den Druck der Tumore auf die Organe auftreten oder durch Entzündungen im Körper. Cannabis ist nachgewiesenermaßen entzündungshemmend und schon lange äußerst relevant in der Schmerztherapie. Hierbei sind sowohl CBD und THC überaus hilfreich, da diese die Schmerzempfindung reduzieren. Diese Reduktion der Schmerzempfindung kann auch bei Polyneuropathie von Vorteil sein, eine auch sehr häufige Nebenwirkung während einer Behandlung mit Zytostatika. Mit der Anwendung von Cannabis kann man viele Medikamente, die man üblicherweise für die Bekämpfung der Nebenwirkungen einer Chemotherapie benötigt, ersetzen. Da Cannabis bei mehreren Problemen eine Besserung verspricht, kann man nur hoffen, dass die Bereitschaft der Ärzte, Cannabis zu verschreiben, in solch harten Zeiten hoch ist.
Die Anwendung von Cannabis ist nach persönlicher Erfahrung während einer Chemotherapie sehr heilsam, ich habe so gut wie keine anderen Medikamente außer Cannabis während meiner Chemotherapie benutzt. Allerdings sollte eine Therapie mit Cannabis unbedingt mit einem Arzt zuvor besprochen werden.
Alles Gute!

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Bildquelle: esteban lopez – unsplash – in.fused sens media

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