In Kanada und Kalifornien geht für den totalen Flow vor den Yogakursen der Joint rum.

Mittwochs ist im „Ganja Yoga Studio“ in San Francisco die Mattenmiete umsonst. Es reicht also, wenn man um 19 Uhr in bequemen Klamotten erscheint – und 25 Dollar in der Tasche hat –, um am Kurs „Smoke and Stretch“ teilzunehmen. Hier wird gekifft, bevor man sich in den herab- und heraufschauenden Hund begibt. Auf die aktive Praxis bereitet eine anregende Cannabissorte vor, der meditative Teil wird mit Indicasorten eingeleitet, die besonders entspannen.

„Sun grown organic flower“ wird hier verteilt, heißt es in der Kursbeschreibung, fünf Sorten Sativa und eine Sorte Indica, die von kleinen Farmen stammen. Die Vaporizer können vor Ort geliehen werden.

In Kanada ist Pot-Yoga schon länger verbreitet. In einem Artikel der „Metronews“ beschreibt Joey Lundgreen, der in Toronto Ganja-Yogakurse leitet, wie effektiv das Cannabis gerade für unbewegliche Anfänger sei – deswegen werde es auch als Einstiegsdroge in die Fitness bezeichnet.

Cannabis kann dabei helfen, die Atmung zu vertiefen und die Muskeln zu lockern. Die gerade für Einsteiger anstrengenden Asanas können länger und intensiver gehalten werden. In Denver, Colorado, bieten die „Twisted Sisters“ Ganja-Yoga-Retreats unter dem Motto „Elevate and Align“ in den Rocky Mountains an, die high im doppelten Sinne sind. Neben den Yogasessions bekommen die Teilnehmer einen Überblick über Cannabissorten, lernen die ausgefallensten Jointformen kennen und drehen, und, wie man Gras in die Küche integriert. Also die volle Dröhnung.

Yogalehrerin Julie Phillips-Turner, die in Florida praktiziert, ist keine Verfechterin des Kiffyogas, obwohl sie es als gelegentliche Erfahrung nicht verteufelt. „Yogis sollten aber beachten, dass echte Erleuchtung nicht vom Weed kommt, sondern durch harte Arbeit und unverfälschte Praxis“, schreibt sie ihrem Blog.

Da gehen die Meinungen auseinander: In Indien wurde schon vor 1000 Jahren durch Cannabisrausch bei der Meditation die Connection mit den Göttern heraufbeschworen.

Man kann sich unschwer vorstellen, dass – sollte Cannabis hier legalisiert werden – bald auch Weed-Retreats im deutschen Hochgebirge stattfinden. Dann werden die Gondeln rauf zur Zugspitze bevölkert sein mit Stonern, die eingerollte Yogamatten unterm Arm klemmen und den angrenzenden Österreichern heimlich die Zunge rausstrecken – naja, zumindest so lang, bis es dort auch erlaubt ist.