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Legales Cannabis in Uruguay

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Ein Experiment mit immer noch unklarem Ausgang

Im Dezember 2013 verfolgten Cannabisaktivisten und -aktivistinnen auf der ganzen Welt gebannt die Ereignisse in Uruguay. Der damalige Präsident José Mujica hob damals das Cananbisverbot auf. Uruguay war damit der erste Staat, welcher Cannabis vollständig legalisierte. Damals musste sich Präsident Mujica harsche Kritik für diesen Schritt gefallen lassen. Unter anderem wurde dem kleinen Land vom Vorsitzenden des International Narcotics Control Board (INCB), Raymond Yans, ein „piratenhaftes Verhalten“ vorgeworfen. Wogegen sich Mujica zur Wehr setzte.

Der Schritt wurde von Legalisierungsbefürwortern als Revolution gefeiert. Die Umsetzung ließ jedoch nicht nur auf sich warten, sondern war auch mit unzähligen Problemen verbunden, die für Ernüchterung sorgten. Wie InsightCrime berichtete, beschaffen sich heute immer noch sieben von zehn Cannabiskonsumenten ihr Gras auf dem illegalen Markt.

Das 2014 veröffentlichte Regelwerk für Einführung eines legalen Handels sieht vor, dass der Staat die Produktions- und Verkaufsquoten bestimmt, die Preise festlegt und die Registrierung der Konsumenten überwacht. Nach langem Hin und Her sollte im Juli 2016 mit dem Verkauf von Cannabis in Apotheken begonnen werden. Doch es gab weitere Komplikationen, die den Start hinauszögerten. Neben dem Verkauf in Apotheken wurde auch der Eigenanbau erlaubt. Maximal sechs Pflanzen mit einem maximalen Ertrag von 480 Gramm darf jeder volljährige Uruguayo pro Jahr nun anbauen. Zudem entstanden 33 Clubs, in denen Grower sich für den Cannabisanbau zusammengeschlossen haben.

Die ursprünglichen Ziele des Gesetzes

Die Anzahl der Konsumenten in dem lateinamerikanischen Staat wurde auf 135.000 bis 200.000 geschätzt. Rund 55.200 konsumieren dabei täglich Cannabis. Ein Anstieg der Zahlen durch die Gesetzesänderung konnte nicht verzeichnet werden. Im Verhältnis zu einer Gesamtbevölkerung von 3,6 Mio. Menschen ist die Anzahl der Konsumenten im internationalen Vergleich weder besonders hoch noch besonders niedrig. Deutschland und Uruguay liegen in etwa gleich auf.

Mit dem neuen Gesetz sollten im Wesentlichen drei Ziele erreicht werden: den illegalen Handel zurückdrängen, der damals auf einen Wert von 30 bis 40 Mio. Dollar geschätzt wurde, Konsumenten von illegalen Verkaufsorten fernzuhalten und ihnen ein Produkt zu Verfügung stellen, welches frei von Schadstoffen ist. Während die Regierung jedoch mit der Implementierung des geregelten Verkaufs hadert, greifen die Konsumenten mehr oder weniger notgedrungen weiterhin auf illegale Angebote zurück.

Es besteht die Hoffnung, dass sich mit der Zeit mehr und mehr Menschen dem legalen Angebot zuwenden werden. Dazu ist es jedoch auch nötig, das Angebot auszuweiten. Drei Jahre nach der Gesetzesänderung haben sich nur 50 von insgesamt 1.200 Apotheken in Uruguay eine Cannabislizenz geben lassen. Unter anderem ist bei den Betreibern die Angst groß, dass Apotheken, die Cannabis im Sortiment haben, Opfer von kriminellen Überfällen werden könnten. Zwar ist das Cannabis mit Preisen von nur etwas mehr als einem Euro pro Gramm aus der Apotheke unschlagbar günstig, allerdings müssen sich Konsumenten mit ihrem Fingerabdruck vorerst beim Staat registrieren lassen. Maximal 40 Gramm dürfen dann in der Apotheke erworben werden. Damit soll verhindert werden, dass das Cannabis an Minderjährige oder Touristen weiterverkauft wird. Die frohe Kunde, dass Cannabis in Uruguay legal sei, hatte unzählige Reisende aus den Nachbarländern und aus aller Welt angezogen, die dann ebenfalls mehr oder weniger enttäuscht auf das Angebot des Schwarzmarktes zurückgreifen mussten.

Während Kanada die Legalisierung von Cannabis vorbereitet, die Legalisierung in den USA zumindest auf Staatenebene voranschreitet und in Deutschland Cannabis zukünftig für Schwerkranke auf Rezept erhältlich ist, hat Uruguay immer noch einiges an Arbeit vor sich, bis die selbstgesteckten Ziele vollumfänglich erreicht sind. Grund zur Euphorie gibt es daher (noch) nicht. Es bleibt nur, dem „Piratenstaat“ für die Umsetzung des legalen Handels weiterhin alles Gute zu wünschen.

 

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Bildquelle: sens media

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