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Drogen und Frauen

Report

Autor: a.p.

Der Internationale Suchtstoff-Kontrollrat (INCB) hat gerade seinen Jahresbericht für 2016 veröffentlicht. Ein Schwerpunkt ist der bisher vernachlässigte Fokus auf drogenkonsumierende Frauen.

Nach dem Einheitsabkommen über die Betäubungsmittel im Jahr 1961 wurde das INCB in Wien gegründet. Dieses Überwachungsorgan der internationalen UNO-Drogenkontrollverträge besteht aus 13 unabhängigen Experten und hat das Ziel, dass Drogen auf medizinische und wissenschaftliche Zwecken beschränkt bleiben – und Chemikalien nicht zur illegalen Herstellung von Drogen verwendet werden.
Alle beteiligten Staaten sind verpflichtet, relevante Daten regelmäßig an das INBC zu übermitteln, das sie auswertet und zusammenfasst. Einmal jährlich wird ein Report mit einem zeitaktuellen Schwerpunktthema hierzu herausgegeben.
Warum das 1. Kapitel sich mit „Frauen und Drogen“ beschäftigt, erklärt das Vorwort des rund 130-seitigen Berichts: „Drogenrelevante Schäden bei Frauen und die Konsequenzen, die sich für die Gesellschaft daraus ergeben, sind schwer unterbewertet worden. Und geschlechtergetrennte Daten zu Drogenkonsum sind kaum vorhanden“.
Im entsprechenden Kapitel wird zu Drogenmissbrauch allgemein festgestellt, dass Frauen grundsätzlich später als Männer anfangen, Drogen zu nehmen – der Konsum sei stark davon beeinflusst, ob der Partner auch Drogen nimmt. Wenn Frauen aber einmal angefangen haben, erhöhe sich die Konsumrate bei ihnen stärker als bei Männern, und sie entwickeln eher einen Drogenmissbrauch, so Punkt 6 im Report.
„Forschungen haben gezeigt, dass Drogenerfahrungen und die Fähigkeit, sich vom Drogenkonsum zu erholen, von Hormonen beeinflusst werden können.“ In der Zyklusphase der Follikelreifung, wo das Östrogenlevel hoch und Progesteronlevel niedrig ist, sei die Empfindlichkeit für Stimulanzien besonders groß. Es wurde in einer Studie über Kokainkonsum entdeckt, dass das Highgefühl in der Lutealphase schwächer ist als in der Follikelphase bzw. im Vergleich zu Männern (Punkt 13).
Zu Cannabiskonsum in der Schwangerschaft wird erwähnt, dass er möglicherweise Probleme in der neurologischen Entwicklung der Kinder nach sich zieht (Punkt 36).

Das 3. Kapitel „Analysis of the world situation“ gibt einen allgemeinen Überblick über den Drogengebrauch. Speziell zu Cannabis in Europa – unabhängig vom Geschlecht – heißt es, dies sei die am gebräuchlichsten illegale Droge in Europa. Etwa 27 Mio. erwachsene Europäer haben im letzten Jahr Cannabis genutzt (Punkt 701). Auch sei ein Anstieg des Eigenanbaus von Cannabis zu beobachten, im Spektrum von kleinem Umfang bis hin zu kommerziell genutzten Plantagen. Dies vermuten die Experten als Grund für die Abnahme importierter Haschprodukte. Trotzdem verbreiten sich nach wie vor die hochpotenten Sorten aus Marokko weltweit (Punkt 722).
Trotz des gestiegenen THC-Gehalts ist der Preis für Gras und Haschisch nur minimal angestiegen (Punkt 724). Spanien ist aufgrund der geographischen Lage Vorreiter bei der Menge an beschlagnahmten Haschprodukten: 340,4 Tonnen (der Großteil aus Marokko). Weit darunter folgt mit 60,8 Tonnen Frankreich, danach mit 7,5 Großbritannien (Belgien: 7, Dänemark: 3,6, Norwegen: 2, Schweden: 1,1).

Im Unterkapitel „Regeln für den Gebrauch von Cannabis zu nicht-medizinischen Zwecken“ geht der Report auf die Erwägungen einiger Staaten ein, Cannabis voll zu legalisieren. Dabei betont das INBC seine Prämissen, die inkompatibel mit der Legalisierung seien. Was die Gefahren des nichtmedizinischen Konsums angeht, berufen sich die Experten auf die WHO, die sagt, „dass der Missbrauch potenziell schwere gesundheitliche Schäden nach sich zieht“. Länder hätten über einen höheren THC-Gehalt der beschlagnahmten Produkte berichtet und vermutlich damit verbundene gestiegene Nebenwirkungen. Die würden sich in entsprechenden gehäuften Notfalleinsätzen äußern. Auch Kinder, die mit Cannabis versetztes Essen zu sich genommen hatte, waren darunter.
Das INBC gibt zu bedenken, dass eine Legalisierung gerade Jugendliche zu Cannabismissbrauch verleiten könnte, weil sie es fälschlicherweise als unschädlich einstufen könnten (Punkt 324).
Dennoch unterstreicht der Report, dass sich Gefängnisstrafen in einigen Ländern bei kleineren Drogenvergehen im Zusammenhang mit Cannabis „als kontraproduktiv herausstellen könnten“ (Punkt 326). Hier empfehlen sie eine nicht-bestrafende Reaktion als Möglichkeit ins Auge zu fassen.

 

 

Kompletter Report unter: https://www.incb.org/incb/en/publications/annual-reports/annual-report-2016.html

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