Autor: Janika Takats

Dr. Franjo Grotenhermen verweigert erneut die Nahrungsaufnahme

„Ich habe in den letzten Monaten den Eindruck gewonnen, dass sich jemand opfern muss bevor die Verantwortlichen innehalten und noch einmal nachdenken“. Mit diesen Worten beginnt Dr. Franjo Grotenhermen das Video, in dem er seine Entscheidung auf unbestimmte Zeit in den Hungerstreik zu treten, bekannt gab. Der Arzt will damit auf die Unzulänglichkeiten der Gesetzesänderung aufmerksam machen, die Patienten die Möglichkeit gibt, Cannabis als Medikament verschrieben zu bekommen.

Am 19. Januar 2017 wurde die Änderung des Betäubungsmittelgesetzes verabschiedet, wodurch Patienten Zugang zu Cannabis als Medizin bekommen sollten, wenn sie dies brauchten. Laut Grotenhermen gibt es jedoch noch immer viele Personen, die von dem neuen Gesetz nicht profitieren können. Mit der Änderung sei ein „Bürokratiemonstrum“ geschaffen worden, welches es für Ärzte unattraktiv mache Cannabis zu verschreiben, auch weil viele Angst vor Regressforderungen seitens der Krankenkassen haben. Für viele Patienten sei es daher unmöglich einen Arzt zu finden, der sich bereiterklärt, ihnen die dringend benötigte Medizin zu verschreiben.

Mit dem Hungerstreit will Grotenhermen aber vor allem ein sofortiges Ende der Strafverfolgung von Menschen fordern, die Cannabis aus medizinischen Gründen verwenden. Der Arzt allein solle entscheiden dürfen, ob ein Mensch Cannabis aus gesundheitlichen Gründen benötigt. „Die Verwendung von Cannabis als Medizin ist ein Menschenrecht, so hat es das Bundesverwaltungsgericht im Jahr 2005 beschrieben“, sagt Grotenhermen und verweist damit auf den richterlichen Beschluss, der die Verhinderung der medizinischen Versorgung mit Cannabis als Angriff auf das Recht auf Unversehrtheit des Menschen wertete. Zur medizinischen Versorgung zählt der Mediziner auch die Möglichkeit des Eigenanbaus der Pflanze.

Bereits im Mai 2017 trat Franjo Grotenhermen in einen zweiwöchigen Hungerstreik. Kritik übte er damals an der Preissteigerung von Apothekencannabis. Vor dem Inkrafttreten des Gesetzes lagen die Preise zwischen 12 und 15 Euro pro Gramm. Im internationalen Vergleich war dies bereits relativ hoch. Nach der Änderung verlangen manche Apotheken bis zu 25 Euro pro Gramm.

Der Warnhungerstreik sei für ihn damals ein Test gewesen, auch um herauszufinden, ob er der körperlichen Herausforderung gewachsen sei. Dieses Mal hat er sich keine Frist gesetzt, hofft aber durch seinen Einsatz die Situation der Patienten verbessern zu können und der Strafverfolgung ein Ende zu setzen.

Das Thema habe ihn in den letzten Wochen und Monaten mehr beschäftigt als alles andere, sagt Grotenherrmen am Ende des Videos. „Manchmal ist es gefährlich Dinge zu tun, die richtig und wichtig sind“, erläutert der Mediziner seine Entscheidung.