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Editorial – Ausgabe 6

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Janika Takats

WORT ZUR AUSGABE

 

Die lange Winterzeit liegt nun hinter uns und wir haben uns daher hinreißen lassen die vorliegende Ausgabe den Frühlingsgefühlen zu widmen. Liebe, Sexualität und Lust spielen in unserem Leben eine große Rolle. Sie können beflügeln, gute Laune machen oder helfen über sich selbst hinauszuwachsen. Gleichzeitig können sie der Auslöser für großen Kummer, Herzschmerz und Verzweiflung sein. Ob nun im flüchtigen One-Night-Stand, in einer langjährig vertrauten Ehe oder bei dem frisch verliebten Paar: es geht darum mit anderen Menschen in Beziehung zu treten. Wie leicht oder schwer das fällt, hängt neben den Wesenszügen auch mit den Erfahrungen zusammen, die die/der Einzelne im Leben gesammelt hat.
Um den ersten Schritt zu erleichtern, greifen einige Menschen zu „Hilfsmitteln“ wie Alkohol, Beruhigungsmitteln oder Cannabis. Diese Substanzen beeinflussen das Sozialverhalten, aber auch die Wahrnehmung der verbalen und körperlichen Interaktion. Wie Cannabis das Empfinden von Lust und das Erleben von Sex verändern kann, haben viele Konsumenten bereits am eigenen Leib erlebt. Dass die Pflanze – in der richtigen Dosis und mit der richtigen Intention eingesetzt – auch eine eingerostete Beziehung wiederbeleben und eine Paar näher zusammenbringen kann, ist hingegen nur wenigen Menschen bekannt. Der Sexologe Nick Karras macht genau das mit seinen Klienten und berichtet im Interview davon.
Cannabis kann eine Beziehung jedoch nicht nur erblühen lassen. Genauso kann unkontrollierter Konsum dazu führen, dass beide Partner abstumpfen und sich entfremden. Dies zu erkennen, kann schmerzhaft sein, ist aber auch ein wichtiger Schritt in der persönlichen Entwicklung, wie Betti Friedrich auf Basis ihrer eigenen Erfahrung beschreibt.
Doch nicht nur auf der emotionalen Ebene spielt Cannabis eine Rolle. In der Medizin kann sie auch eingesetzt werden, um die Folgen von sexuell übertragbaren Krankheiten wie neuropathischen Schmerzen bei einer langjährigen HIV-Infektion, zu lindern. Die genaue Wirkung wird derzeit an der Charité Berlin untersucht.
Wie genau Cannabis sich auf die Sexualität auswirkt, wie man das Lustempfinden gezielt beeinflussen kann und welche Sorten sich besonders positiv auswirken, wird derzeit in einigen Studien untersucht. Doch wie in so ziemlich jedem Bereich steht die Forschung an der Cannabispflanze noch am Anfang. Immerhin scheint sich die sowohl die Wissenschaft als auch die Allgemeinheit mehr und mehr für die Zusammenhänge zu interessieren.
Dieser Frühling ist jedoch nicht nur die Zeit der Liebe. Es ist auch an der Zeit das nun einjährige Bestehen der Gesetzesänderung, die Cannabis als Medizin zugänglich machte, genauer zu beleuchten. Der große Ansturm auf Ärzte und Apotheken kam für einige überraschend. Andere gehen davon aus, dass heute sogar noch wesentlich mehr Patienten ein Rezept für medizinisches Cannabisbesäßen und nutzen würden, wenn sich mehr Ärzte mit der Pflanze auskennen würden und die Krankenkassen nicht über ein Drittel der Anträge ablehnen würde.
Die Kosten der Blüten sind derweil enorm gestiegen, wodurch die Versorgungslage einiger Patienten noch prekärer geworden ist, als vor der Gesetzesänderung. Die neue Regierung hat sich geformt, doch Nachbesserungen am Gesetz stehen erst einmal nicht auf der Agenda. Nichtsdestotrotz hat die deutsche Regierung im letzten Jahr einen wichtigen Schritt getan, den es zu feiern gilt, auch wenn wir ebenfalls noch am Anfang stehen.

Janika Takats

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