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Editorial – Ausgabe 7

in.fused Magazin

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Janika Takats

Mit dieser siebten Ausgabe feiert in.fused sein einjähriges Bestehen. Im Frühjahr 2017 haben wir den Schritt gewagt, die Cannabispflanze unter anderen Blickwinkeln und mit einer anderen Bildsprache zu präsentieren: künstlerisch, verspielt, seriös, sachlich, anders.

Wir haben viel gelernt über eine Pflanze, die als eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt beschrieben wird. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass Cannabis bereits vor mehreren tausend Jahren in China angebaut und schon frühzeitig in religiösen oder spirituellen Ritualen eingesetzt wurde. Während die alten Inder sich der berauschenden Wirkung der Blüten bewusst waren, entwickelte sich in Europa eine lange Nutzhanftradition. Hier wurden die möglichen Einsatzgebiete als Heilpflanze erst später entdeckt. Die robusten Fasern des Stängels waren ein wichtiger Rohstoff für die Textilherstellung und ein wichtiges Material für die Seefahrt. Anlässlich unseres einjährigen Bestehens wollen wir die aktuelle Ausgabe nutzen, um zurückzublicken: auf die Anfänge der Cannabismedizin, auf wissenschaftliche Durchbrüche sowie auf die Bedeutung, die die Pflanze zu unterschiedlichen Zeiten in verschiedenen Kulturen innehatte.

Dabei soll es nicht um Vollständigkeit gehen. Vielmehr wollen wir einzelne Ereignisse und Anekdoten wiederaufleben lassen, wie die der Hippies in Kathmandu, des Cannabiskonsums der RAF oder die des israelischen Professors Raphael Mechoulam, der für seine erste Forschung fünf Kilo Hasch mit dem öffentlichen Bus transportierte.

Während besonders die letzten 100 Jahre international vom Verbot der Pflanze geprägt waren, erreichen uns in der Gegenwart immer mehr Meldungen von erfolgreichen Patientenbewegungen, die einen verbesserten Zugang zu Cannabismedizin erwirken, wie kürzlich in Chile geschehen. Gleichzeitig geht es mit der Forschung voran, wenn auch langsam, auf Grund bürokratischer Hürden.

Dr. Eva Milz beschreibt dazu in der aktuellen Ausgabe, wie das Cannabinoid CBD immer mehr in den Fokus der Medizin rückt, beispielsweise bei der Behandlung von Migräne. Derweil forscht Prof. Mahmoud ElSohly in den USA an neuen Anwendungsformen, um die Aufnahme von Wirkstoffen im menschlichen Körper zu verbessern. Einen gewagteren Ansatz wählt Dr. Pierre Tailleur.

Der promovierte Toxikologe fordert nicht nur den Medikamenten-, sondern auch den Drogen-Genussmittelkonsum professionell zu betreuen, um Nutzer anschließend in die Selbstverantwortung zu entlassen. Cannabis ist nicht nur eine geschichtsträchtige Pflanze, sondern vor allem auch eine mit großer Zukunft. Dessen sind sich zahlreiche Mediziner, Forscher, aber auch Investoren und immer mehr Staatsdiener einig. Mechoulam hat mit der „Entdeckung“ der Cannabinoide Geschichte geschrieben. Bis heute arbeitet der unermüdliche Wissenschaftler gemeinsam mit anderen Fachleuten daran, Cannabis als anerkannte Medizin zu etablieren und das Potenzial der Pflanze besser zu verstehen. Seit Jahrtausenden wird Cannabis von Menschen genutzt. Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, begegnet man dennoch fast täglich Menschen, die die Pflanze zum ersten Mal für sich entdecken und von den vielen Nutzungsmöglichkeiten begeistert sind. Es scheint daher berechtigt, voller Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Mit all den neuen wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten hat der Mensch gerade erst begonnen, die Cannabispflanze zu verstehen.

Die nächsten Jahre bleiben spannend. Die in.fused-Redaktion freut sich darauf, dabei zu sein und für Euch, liebe Leserinnen und Leser, zu berichten.

 

Janika Takats