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Cannabis für Krankenkassen teurer als erwartet

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Autor: Rosemarie Binder

Erst kürzlich gab der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) dem Deutschen Ärzteblatt Auskunft über die rasant steigenden Kosten von medizinischem Cannabis. Unterschiedliche Darreichungsformen wurden dabei miteinander verglichen. Vor allem Cannabisblüten als unverarbeitete Arznei sollen bei den Krankenkassen nach Angaben immer schwerer ins Gewicht fallen. Außerdem liegen die Kosten für die Blüten höher als es die Einschätzung von der Bundesregierung im Gesetzesentwurf vom Juni 2016 vorsah.

Eine regelrechte „Kostenexplosion“

In ihren Angaben stellt die GKV für das Deutsche Ärzteblatt Daten von Juni 2017 und April 2018 gegenüber. Den größten Sprung haben demnach die Blüten in unverarbeitetem Zustand gemacht: Während die Kassen vergangenes Jahr noch mit 412.000 Euro dafür aufkommen mussten, vervielfachte sich der Wert bis April diesen Jahres auf 2,33 Millionen Euro. Der Anstieg ist markant, wird aber im Hinblick auf die ebenso kontinuierlich steigenden Gesamtkosten für Medikamente, die durch die Kassen getragen werden müssen, relativiert. Die Gesamtausgaben belaufen sich derzeit auf 37,7 Milliarden Euro pro Jahr. Die Ausgaben für Cannabisblüten machen also nur einen kleinen Teil der Kosten aus. Vor dem Inkrafttreten der neuen Gesetze schätzte die Bundesregierung die Kosten für die Blüten mit etwa 18 Euro pro Gramm niedriger ein, als den derzeit tatsächlichen Preis von durchschnittlich 20 Euro. Die Wirtschaftlichkeit spielt für die Krankenkassen bei einer Beurteilung zur Kostenübernahme unverändert eine bedeutende Rolle.

 

Unverarbeitete Blüte – oder kostspieliges Rezepturarzneimittel?

Ausschlaggebend für die hohen Kosten von Cannabisblüten in deutschen Apotheken ist eine Unterscheidung, die das Bundesamt für Arzneimittel in ihrer Erklärung zum neuen Gesetz macht: Es gibt einerseits Fertigarzneimittel, die die Apotheken ohne weitere Verarbeitung an die Patienten abgeben. Hierzu zählen beispielsweise das THC-haltige Mundsprays Sativex oder auch Canemes, ein Arzneimittel aus synthetischen Cannabinoiden. Und es gibt Rezepturarzneimittel, für die die Apotheken nun durch § 5 der AMPreisV einen Verarbeitungszuschlag von 90% berechnen – hierzu zählen Cannabisblüten. Die eigentlich unverarbeiteten Blüten erfuhren so allein durch die Gesetzesänderung einen extremen Preisanstieg. Der Deutsche Hanf Verband kritisiert dies scharf und fordert in einer Stellungnahme zu Kosten und Verarbeitung von medizinischem Cannabis vom Gesetzgeber Nachbesserungen, damit die Preise wieder sinken.

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