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Fünf Jahre legales Cannabis in Uruguay: Ein Fazit

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Autor: Rosemarie Binder

Es ist nun fünf Jahre her, dass Uruguay unter der linken Regierung von José Mujica als erstes Land der Neuzeit die Legalisierung von Cannabis erlebte. Die Idee dahinter war klar definiert: Die Organisation von Cannabis Social Clubs und später auch der freie Verkauf in Apotheken sollten als Instrument zur Eindämmung des Schwarzmarkts in Uruguay dienen, der in der Regel nur minderwertige Qualität liefert. Ein Fazit, das über Erfolge und Skepsis berichtet.

Ein Vermächtnis von ‚El Pepe‘

José Mujica, auch ‚El Pepe‘ genannt, war ein Präsident, der ganz ohne den Reichtum lebt, der ihm eigentlich Kraft seines Amtes zur Verfügung stünde. Er wohnt bescheiden auf dem Land, fährt statt einer Limousine nur einen blauen Käfer. Was ihm wichtig ist: Die Freiheit für individuelle Lebensräume.

Es ist gut, so zu leben, wie man denkt. Anstatt darüber nachzudenken, wie man lebt.

Durch die Legalisierung sollte gleichermaßen für die Konsumenten Freiheiten geschaffen werden. Und Frieden in der Gesellschaft. Der Schwarzmarkt benötigt kriminelle Strukturen, die unter dem Radar der Behörden arbeiten und bringt Gewaltverbrechen mit sich. Diesen Verhältnissen wollte man durch die zügige Verabschiedung des Gesetzes entgegenwirken.

 

Homegrown oder aus der Apotheke

Seit 2013 darf man in Uruguay legal bis zu sechs Pflanzen in Eigenanbau oder etwa gemeinsam mit anderen in Cannabis Social Clubs züchten. Der Verkauf in Apotheken versorgt die Einwohner zusätzlich seit Juli letzten Jahres. Für alle Cannabis-Konsumenten gilt: Sie müssen sich als legaler Konsument mit Fingerabdruck registrieren. Beim Verkauf wird der Fingerabdruck gescannt und die Autorisierung erfolgt. Für umgerechnet etwa 1,20 € pro Gramm kommt man als Staatsbürger an Cannabis. Ob aus der Apotheke oder gemeinschaftlichen Gärten – man schätzt, dass das günstige, saubere Gras dem Schwarzmarkt schon etwa die Hälfte der Kunden entzogen haben könnte.
Touristen bekommen in Uruguay zwar kein legales Cannabis, doch die Abgabe in geringen Mengen wie etwa beim Teilen eines Joints soll unproblematisch sein.

 

Gemischte Gefühle zur Legalität

Meinungsbefragungen haben nun erfasst, was die Bevölkerung von diesem Modell nach fünf Jahren abgewinnen kann. Der Hintergedanke der Legalisierung war schlüssig und erwies sich bereits in weiten Teilen als recht effektiv. Doch nach wie vor sprechen sich fast die Hälfte der Befragten gegen die Legalisierung aus. Ein weiteres, zentrales Problem bildet die Versorgungslage der Apotheken: Für die Produktion vom staatlichen Gras sind derzeit zwei Firmen beauftragt, die rein theoretisch vier Tonnen Cannabis produzieren könnten. Zuerst erntete man aber wesentlich geringere Mengen – das könnte auch daran gelegen haben, dass sich wenige Apotheken zum Vertrieb von Cannabis bereit erklärt haben. Unter ihnen gibt es viele Skeptiker. Mangelnde Überzeugung an der Wirksamkeit und die Sorge, ungewünschte Klientel anzuziehen sorgten dafür, dass die Versorgungslage weiter lückenhaft blieb.
Was El Pepe durchgesetzt hat, gilt für die Opposition als riskante Verharmlosungspolitik. Noch ist der Parteifreund Tabaré Vázquez als Nachfolger im Amt. Was die nächsten Wahlen bringen werden, ist jedoch ungewiss. Die politische Stimmung im Land ist geladen, man scheint Veränderung zu wünschen, die man von keiner der etablierten Parteien erwartet.

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