Mitte der 60er Jahre gelang es dem israelischen Wissenschaftler Raphael Mechoulam (Interview in.fused Nr. 7), die Wirkstoffe aus der Cannabispflanze zu isolieren, die er Cannabinoide nannte. Diese sind unter anderem für die medizinische Wirkung verantwortlich. Cannabis enthält über 100 dieser Moleküle. Lange Zeit richtete man das Augenmerk jedoch nur auf Tetrahydrocannabinol, kurz THC, welches den Rausch bei Konsumenten auslöst.

Erst im Laufe der letzten Jahre gelangen auch die anderen Cannabinoide in den Fokus der Wissenschaft und ins Bewusstsein von immer mehr Menschen. Allen voran Cannabidiol, kurz CBD. Es wirkt im Gegensatz zu THC kaum psychoaktiv und kannsogar den Rausch mildern. Bei Cannabis, welches für den Freizeitkonsum bestimmt war, versuchten Züchter daher den CBD-Anteil so gering wie möglich zu halten, während man um einen hohen THC-Wert bemüht war.

Erst als die medizinische Forschung an der Cannabispflanze wieder Aufwind bekam, interessierte man sich mehr für das Cannabinoid. Zurecht. CBD kann sich auf verschiedene Weise positiv auf die Gesundheit und das Befinden der Nutzer auswirken. So kommt es, dass der Stoff nicht nur in der Medizin mehr und mehr an Bedeutung gewinnt. Auch in der Kosmetik oder in Nahrungsergänzungsmitteln ist das Cannabinoid zu finden.

Jedoch: der Informationsbedarf ist groß. Viele Menschen, die Cannabis und THC kennen, haben noch nie von CBD gehört. Die Wissenslücke ist also hier noch größer. So wissen viele Patienten nicht, dass ihren auch ohne berauschendes THC geholfen werden kann. Auch was die rechtliche Lage angeht, herrscht Unsicherheit. Ist CBD legal, auch wenn es aus der verbotenen Cannabispflanze kommt? Worauf müssen Händler und Käufer achten? Was weiß man aktuell überhaupt über die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen?

Um all diese und noch viele weitere Fragen zu beantworten, kann in.fused in diesmal den Schwerpunkt auf das Cannabidiol gelegt. Unsere Autorinnen und Autoren erläutern die Wirkweise von CBD sowie die unterschiedlichen Darreichungsformen. Sie bringen Licht in die undurchsichtige Rechtslage und erläutern die Unterschiede der Länder im deutschsprachigen Raum. Außerdem wird ein Blick auf die Möglichkeiten von CBD in der Kosmetik geworfen. Auch in der Medizin hat es in der letzten Zeit große Fortschritte gegeben. So hat ein amerikanisches Unternehmen beispielsweise das erste CBD-Medikament gegen Epilepsie auf den Markt gebracht.
Während in Deutschland nur verarbeitete Produkte zugelassen sind, ist durch die geänderte Gesetzeslage in Österreich und der Schweiz ein neuer Markt für CBD-Blüten entstanden. Diese ermöglichen Konsumenten nicht nur den rauschfreien Konsum. In den letzten Jahren sind auch zahlreiche Unternehmen mit modernen Ansätzen und innovativen Ideen ins Geschäft eingestiegen.

Auch wenn es sich einige wünschen mögen – CBD bietet zwar zahlreiche Möglichkeiten, ist aber kein Wundermittel. Wie auch bei der gesamten Cannabispflanze wurde hier kein Allheilmittel (wieder-)entdeckt. Die Qualität und der Wirkstoffgehalt der angebotenen Produkte können stark schwanken und für den medizinischen Einsatz ist das Hinzuziehen eines Arztes unerlässlich.
In jedem Fall lohnt sich ein genauer Blick auf das Molekül. Damit wir es besser verstehen und seine Potenziale bald voll nutzen können.