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Club der Fantasten

Kommentar

Autor: Rosemarie Binder

Schon immer war die Neugier des Menschen auf seine Umgebung so groß, dass er versuchte, irdische Grenzen zu überschreiten und die Welt darüber hinaus verständlich zu machen. Die unendlichen Weiten bescheren uns hierfür ein abenteuerliches Terrain. Ihren Dimensionen ist es geschuldet, dass sie wohl noch lange ein Schauplatz verklärter SciFi-Romantik sein werden. In der unbekannten Ferne können gleichermaßen Verheißung und Unheil auf uns warten. Jeder, der sich dort hinauswagt, erhält den Charakter eines tollkühnen Pioniers.

 

Während die Digitalisierung mittlerweile für jedermann in Smartphone-Größe greifbar geworden ist, führt die Raumfahrt weiter ein Dasein in fantastischer Abstraktion und erlaubt den klugen Köpfen, die dazu forschen, sich heimlich in ihre ungesehenen Ecken hineinzuleben. Für die Politiker hingegen, die ganz vorne dabei sein wollen, dient das Thema als eindrucksvolles Marketinginstrument – martialisch formulierte Donald Trump unlängst, den Weltraum dominieren zu wollen. Das bedeutet America first eben auch.

Bald folgte Markus Söder mit dem Programm Bavaria One. Auch Tesla-Chef Elon Musk träumt innig davon, den Mars zu erschließen. Das ist symptomatisch für den Umgang des Menschen mit den Ressourcen seiner Umgebung. Schon bevor man die Weiten des Alls betrat, zählte vor allem, wie es uns nützlich sein könnte. Was passiert eigentlich, wenn wir den Raubbau auf andere Planeten ausweiten? Trump und Musk haben diesbezüglich große Visionen, genährt von Machtperversion und Forschungswahn. Markus Söder hingegen würde mit Bavaria One nur endlich mal gerne für stabiles Internet per Satellit sorgen. Seine Kampagne war dafür umso schmuckvoller. Söder tweetet mit Foto: Es zeigt den CSU-Politiker am Rednerpult, im Hintergrund das Logo seiner Mission Zukunft, etwa drei mal drei Meter groß. Mit seinem Konterfei vor einem Sternenhimmel und dem typisch erhabenen Blick, den jeder kennt. Ikonenhaft, aber eben nicht für die Raumfahrt.

 

Der mystische Charakter, den die Lücken der Wissenschaft erzeugen, ist nützlich, um Aufmerksamkeit zu erlangen und Emotion zu wecken. Die wahren Inhalte der Politik stehen auf einem anderen Blatt Papier. Die richtige Science-Fiction bietet an dieser Stelle einen Unterhaltungswert mit weniger Frustrationspotenzial. Star Wars lebt ebenso vom Geheimnis des Universums wie die Neugier der Wissenschaft und die Wahlkampfschmankerl der CSU. Allein erhebt die Wissenschaft den Anspruch, sich der Fiktion zu entledigen, während der Film ohne sie nicht leben kann – und die Politik eben irgendwie auch nicht.

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