Autor: Rosemarie Binder

In Großbritannien hat man sich nun für die Freigabe von Cannabis zu medizinischen Zwecken entschieden. Nachdem bis Anfang dieses Jahres die Pflanze nur in Ausnahmefällen als Medikament genutzt werden durfte, brachten zwei Schicksalsfälle die Debatte wieder in Bewegung.

Schneller Durchbruch

Bereits ab dem 1.November 2018 kann die englische Bevölkerung medizinisches Cannabis in Anspruch nehmen, wie ‚Mirror‘ erst berichtete. Dann wird es auch Patienten etwa mit chronischen Schmerzen oder Epilepsie zugänglich sein. Bisher gab es das Medikament dort lediglich als Extrakt und es wurde nur nach sorgfältiger Prüfung in Einzelfällen genehmigt. Die besonders bewegenden Fälle zweier Kinder, die an schwerer Epilepsie leiden, haben die öffentliche Diskussion dazu erst gegen Anfang des Jahres wieder stark entfacht. Theresa May erhielt schließlich die Petition, mit der die Bürger eine schnelle Lockerung des Gesetzes einforderten.

Droge mit hohem Nutzen

Für den Freizeitkonsum wird Cannabis jedoch nicht legalisiert. Ähnlich wie in Deutschland gelten die Pflanze und einzelne Bestandteile nach wie vor als Betäubungsmittel, das legal nur von Ärzten und Apothekern ausgehändigt wird. Mit der Gesetzesänderung wird ihm der dafür notwendige therapeutische Nutzen jedoch nun zugesprochen. Die britische Regierung muss sich für eine regulierte Abgabe nun auch genauer mit den unterschiedlichen Indikationen befassen, bei denen ein Rezept verordnet werden darf. Es wird außerdem vielseitigere Darreichungsformen geben als bisher – je nachdem, wie es sich für den Patienten besser eignet, kann Cannabis entweder als Extrakt oder reine Blüte verschrieben werden.

Entspannung auch für die Polizei

Die Behörden dürften demnach auch auf eine sinkende Kriminalität bezogen auf Delikte im Zusammenhang mit Cannabis hoffen. Ursprünglich musste man davon ausgehen, dass einige Briten sich Cannabis zu medizinischen Zwecken aufgrund der strengen Gesetzeslage selbst anbauen oder auf dem Schwarzmarkt besorgen mussten. Die Liberaldemokraten berechneten die daraus entstehende Belastung und bezifferten sie mit einer Millionen Stunden Polizeiarbeit jährlich.