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Zita auf Regelreisen

Grasgespräche

Autor: Zita Cumberland

Man kann nicht sagen, dass ich entspannt bin zurzeit. Mein fulminanter Eisprung mit mentalem Höhenflug ist vorbei und jetzt geht es in der Zielgeraden auf die Periode zu. An alle Männer, die jetzt weiterklicken wollen, weil sie nichts Plagenderes kennen als die emotionalen Schwankungen ihrer Frauen, haltet durch! Dieser Text könnte für Entspannung sorgen.

 

Letzten Monat wusste ich: Jetzt stehe ich drüber, nichts verdirbt mir die Laune. Laut habe ich an sie appelliert: „Hormone, ihr könnt Zita nichts anhaben. Versucht es nur, mich stoische Gestalt aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wir werden ja sehen, wer zuletzt lacht“. Gelacht hat keiner von uns. Rotz und Wasser geheult habe ich am Tag drauf und meinem Freund P. die lieblosesten Absichten unterstellt, ihn finster angeglotzt und (mal wieder) die Beziehung für gescheitert erklärt. Das war ihm wiederum zu viel und er machte sich (schon wieder) auf und davon.

In die PMS-Geschichte eingegangen ist die Engländerin Sandy Craddock, die Anfang der 80er-Jahre einen begangenen Mord auf ihre monatlichen Beschwerden abwälzen konnte. Naja, zumindest strafmildernd hatte sich ausgewirkt, dass sie schon zuvor immer in einem 29-Tage-Rhythmus gewalttätig geworden war. Auflage: die Hormone in den Griff kriegen. Wenn das so einfach wäre.

Qualvolle Stunden nach P.s Verschwinden, die ich mit einem großen Haschkeks überbrücken musste, rief er an und stellte die Frage, die eine Frau gleichzeitig bloßstellt und ein wenig erleichtert: „Kann es sein, dass du deine Tage kriegst?“. „Nein!“ schoss es aus mir wie vermutlich aus jeder PMS-Ausgelieferten mit Seelenschmerz. Weil es einfach zu banal wäre. Und dann: „Irgendwann demnächst vielleicht“.

Erleichtert schon minimal, aber auch extrem genervt honorierte er: „Na, jedenfalls beherrscht du die Klaviatur des Hormoniums wie keine andere.“ Da musste ich lachen, ein gequältes knitteriges Gurren, das für uns beide bedeutete, ganz zu Ende ist unsere Liebe doch nicht.

Als wir uns Tage später wieder wohlgesonnen treffen konnten und rumblödelten wie eh und je, brach es plötzlich aus ihm vor: „Entweder du kriegst das in den Griff oder ich gehe in Zukunft einmal monatlich auf Regelreisen“. Es würden sich schon genügend Männer finden, die sich regelmäßig zusammentäten, um mit einem Kleinbus das Ferne zu suchen, bis sich die Wogen der Menstruierenden geglättet hätten.

Soweit müsse es gar nicht kommen, sagte ich. „Diesen Monat wird alles besser“, versicherte ich ihm. Er hat es mir auch geglaubt. Aber jetzt gerade weiß ich noch nicht, ob es alles so machbar ist. Was mich darauf hoffen lässt, ist meine gewachsene innere Reife und Cannabidiol. Öl und ein CBD-Zäpfchen, das ich neulich geschenkt bekommen habe, aber damit nicht hatte warten können bis zu den kritischen Tagen. Es hat trotz allem gutgetan.

Warum Cannabidiol so hilfreich ist? Im Gespräch mit einer Ärztin erfuhr ich, dass Frauen zum Zeitpunkt des Eisprungs und dann wieder vor Einsetzen der Regel ein furchtbar niedriges Anandamidlevel haben. Der Wirkstoff für Glückseligkeit. Und der kommt den Frauen da plötzlich abhanden. Zum Eisprung soll das die Befruchtung begünstigen – da fährt auch bei vielen das Immunsystem herunter, weil sonst das körperfremde Spermium abgestoßen würde. „Irgendwie reagiert der Körper danach wohl mit Trauer, weil kein Leben entstanden ist“, hatte sie gemutmaßt.

Gegen den trauernden Körper nehme ich jetzt CBD-Tropfen und glaube, es tut nicht nur ihm gut, sondern auch P. und mir sowieso. Aber versprechen kann ich noch nichts. Eine Heilerin, die ich in meiner Verzweiflung aufsuchte, hatte nämlich noch eine ganz andere Theorie: „Frauen leiden so, weil auf ihnen der gesamte Weltschmerz lastet, während sie bluten“, sagte die. Stimmt bei mir. Und wenn es sich auf ganz vielen Schultern oder Becken weltweit verteilt und der Schmerz der Welt dadurch geringer wird, nun gut, dann soll es so sein.

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