Cannabis kann seit rund zwei Jahren als Medizin vom Arzt verschrieben werden. Diese Information hat sich inzwischen in der Bevölkerung herumgesprochen. Auf Rezept ist der Besitz also legal. Dass Hanfsamen und Hanfsamenöl wohl legal sind, wenn sie im Bioladen oder im Reformhaus im Regal stehen, ist zudem eine logische Schlussfolgerung. Bei anderen Produkten fällt die Einschätzung schwerer. Besonders bei Cannabisblüten mit geringem THC-Gehalt herrscht Uneinigkeit. In Österreich und der Schweiz werden die Blüten frei verkauft. In Deutschland findet man sie auch immer häufiger in Läden, die sich auf Cannabisprodukte spezialisiert haben.

Während einige Shopbesitzer nach wie vor der Meinung sind, die Blüten seien legal, solange sie von lizensierten Nutzhanfsorten stammen und weniger als 0,2% THC aufweisen, veröffentlichte die Berliner Polizei Ende 2018 ein Statement, in dem sie klarstellte, dass sie die Blüten als illegal bewertet und Verkäufer daher mit entsprechenden Konsequenzen zu rechnen haben. Endgültig werden das nur die Gerichte klären können und das kann dauern. Bis dahin werden wohl weiterhin einige Händler Probleme bekommen, während bei anderen das Geschäft unbehelligt weiterläuft. So eröffnete vor wenigen Monaten ein Cannabiscafé in Würzburg, welches Patienten ihre Medizin vor Ort konsumieren lässt. Gleichzeitig droht einem Schweizer Unternehmerpaar unter Umständen nun eine Freiheitsstrafe, weil sie in Deutschland CBD-Blüten verschickten.

Die EU hat jetzt zumindest was CBD als Bestandteil von Ölen, Extrakten oder Lebensmitteln angeht für mehr Klarheit gesorgt. Im Gegensatz zu Hanfsamen und -samenöl, fällt dieses ab sofort unter die Novel-Food-Regulierung. Unternehmen müssen ihre Produkte von nun an entsprechend registrieren und testen lassen, können diese dann aber bedenkenlos z.B. als Nahrungsergänzungsmittel deklarieren und verkaufen. Für kleinere Unternehmen mag dies eine Rückschlag sein. Für die Verbraucher bedeutet es jedoch mittelfristig klare Standards und gesicherte Qualität.
Hanf kann mehr als als Lieferrand für Cannabinoide zu fungieren. Kein Wunder also, dass ihn die Landwirtschaft und die Industrie langsam in immer mehr Bereichen wiederentdeckt. Mit der bundesweitern Freigabe von Nutzhanf für die Landwirtschaft, kommt er in den USA wieder im größeren Stil auf die Felder. Auch in Kanada haben sich die Anbauflächen seit 2011 fast verdoppelt und China nutzt ihn zunehmend im Bau.
Auch in der Textilbranche wird Hanf immer stärker zum Thema. Wer sich hier für Hanf entscheidet, für den stehen meist Nachhaltigkeit und Hautverträglichkeit im Vordergrund. Erfreulich ist, dass die Designs immer ansprechender werden.

Jenseits von berauschendem, THC-haltigem Cannabis ist also einiges in Bewegung, darüber soll die vorliegende Ausgabe einen Überblick geben. Es wird spannend bleiben, sowohl die wirtschaftliche als auch die rechtliche Entwicklung zu beobachten. Wachstumsschmerzen werden, wie bei allen derartigen Prozessen nicht ausbleiben. Doch betrachtet man die Möglichkeiten und die enorme Vielseitigkeit der Pflanze, so kann man sicher sein, dass Hanf noch viele weitere Alltagsbereiche erobern wird.