Autor: Zita Cumberland

Wenn irgendein Formular fragte: ‚Sind Sie Raucher?‘, dann habe ich immer nein angekreuzt. Als Raucherin habe mich nicht wahrgenommen, auch wenn man dazu sagen muss, dass ich mich alle zwei bis drei Tage in einem Berliner Späti wiederfand mit der Bitte um: „einmal American Spirit, orange, Zigaretten.“ Ein recht klares Indiz. Aber auch die Abschreckungsbilder hab ich nicht auf mich gemünzt. Schöne hatte man auch nicht häufig.

Mit etwas Glück bekam man das Baby mit Schnullerzigarette oder den leichenblassen Familienvater, der theatralisch vor der Heizung zusammensinkt. Übrigens fänd ich als Ausgleich ein paar ernüchternde Bilder vom hannoveranischen Pinkelprinzen oder dem bigmäcverschmierten David Hasselhoff auf Schnapsflaschen nur gerecht. Oder fand ich – das ist mir inzwischen auch egal.
Jedenfalls hatten die Bildchen, offen auf dem Kneipentisch platziert, immer etwas unpassend Morbides. Ich war doch zum Spaß hier, und nicht zur Selbstanklage.

Die Geister vertreiben

„Du bist für so viel Zigaretten und Alkohol gar nicht gemacht“, hat mein Freund P. immer gesagt, wenn ich ihn spätabends verraucht und angetrunken besuchen kam. „Ein Seebär von zwei Zentnern kann das vielleicht vertragen, aber nicht du“. Denkste, dachte ich.
Ungefähr 200 Schachteln später traf er aber doch ins Mark: „Immer wenn man großes Verlangen verspürt nach einer Zigarette, dann zieht das die bösen Geister an. Die freuen sich, wenn du rauchst“. Das hatte P. irgendwo gelesen.
Dieses Bild verkeilte sich in mir. Und als mich das nächste Mal eine unbändige Lust aufs Rauchen packte, da führte ich die blöden Geister hinters Licht, nachdem ich sie erst ganz nah herangelockt und das Feuerzeug schon hatte schnippen lassen. Die Lust, es denen zu zeigen, übertraf die andere.

Perlen vor die Säue

Weil man als Raucher aber auch raucht, um Rauchschwaden herzustellen, suchte ich nach einer befriedigenden Übergangslösung – und die konnte nichts mit Elektro zu tun haben. Abends qualmte ich einen Joint, pur und ganz allein, für tagsüber musste dringend eine andere Lösung her. In den nächsten zwei Wochen ging ein Batzen Kohle für CBD-Gras durch Hände und über Ladentheken.
Ein CBD-High, das kenne ich jetzt definitiv auch. Das zu erleben, da scheiterts den meisten Kiffern wirklich an der Disziplin, THC mal wegzulassen – wie mir bisher auch. „Ich weiß nicht, ob es was gemacht hat oder ob´s noch am Gras liegt, das ich vorhin geraucht habe“, ist die gängige Antwort von Kifferbekannten, ob sie was spüren würden von meinem CBD-Gras. Perlen vor die Säue – und andererseits tut es denen ja auch gut, das CBD.
Meine Euphorie hält an, auch jetzt nach fast zwei Monaten ohne Nikotin – ich begebe mich auf noch ganz andere Terrains festgefahrener Muster und Süchte und erkenne mich kaum wieder.

Nee, das ist CBDeee

Was so guttut, kann nicht verboten sein, dachte ich, und baute mir einen Joint im Raucherbereich des Friedrichshainer „Hirschen“. Der Kellner, eben noch galant Käsespätzle serviert, rümpfte jetzt die Nase und raunte mir zu: „Kiffen kannste draußen“. Ich entgegnete: „Das ist CBD, macht keinen Rausch“. [Unter uns: Es kann auch THC enthalten gewesen sein, aber es ging ja ums Prinzip.] „Es ist der Geruch, das geht hier nicht.“ Punkt.
In Mitte das gleiche Schauspiel. In „meine Bar“ zündete ich meinen dezent geformten Joint, als die Kellnerin sich heranpirschte und mich musterte: „Das ist doch verboten.“ Ich meinte: „Nee – das ist CBDeee“, aber sie machte nur riesengroße Augen und monierte den Geruch. Meine Freundin versuchte es noch zu erklären, den Unterschied, ganz freundlich. Aber die Kellnerinnenreaktion ließ darauf schließen, dass noch viel erzählt werden muss, wenn der Tag lang ist: „Naja, ich sag ja nichts, wenn hier fünf Typen gleichzeitig auf Klo gehen“, meinte sie, „auch wenn´s klar ist, was da geht. Aber hier?“. Ich frage: „Ja was geht denn? Gangbang?“, verdrehte die Augen und stellte mich nach draußen.